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Nachruf zum 4. Lichterfest am 13. Juni 1998 auf Schloß Nischwitz

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Die Bildergalerie vom 4. Lichterfest
Der Film vom 4. Lichterfest



Trotz teilweiser Sanierungsmaßnahmen konnte der Verfall am Schloß Schönwölkau nicht mehr aufgehalten werden. Dem fielen jetzt die umfangreichen Toilettenanlagen mit einer nicht einzudämmenden Verstopfung-gefahr zum Opfer. Es drohten ganze Gipsstuckteile der Saaldecke auf die Tanzfläche zu krachen. Durch den zunehmenden Verfall der Gemäuer sah sich der Graf veranlaßt, nach einem neuen Schloß Ausschau zu halten. Nach längeren diplomatischen Verhandlungen wurde für das 4. Lichterfest als neuer Festort Schloß Nischwitz nördlich von Wurzen an der Mulde gelegen ausgewählt.




War der große Festsaal auch für die Tänze gesperrt und nur für 80 Personen zugelassen, so verfügte das Schloß
über eine Empfangshalle, einen Thronsaal, weitere vier Wandelgemächer, einen kleinen Gartensaal, eine Bierdiele
und einen ausgedehnten sich bis zur Mulde hin erstreckenden Park.
Das Zeltareal befand sich im vorderen Schlosspark. Im hinteren Schloßpark wurde ein mit Lampions überdachter
Tanzboden errichtet. Musikalisch standen ein Streichertrio, ein Barockflötenquartett und ein Bläserquintett bereit.
Es wurden weitere Ämter neu ernannt und in den Hofstaat aufgenommen: der Zeremonienmeister, der Rittmeister,
die Oberhofausstatterin und die Hofausstatterin. Der Oberhofmarschall wurde zum Staatskanzler ernannt.




Als weitere Neuheit wurde die welt-weit-wir-Seite mit dem Namen www.lichterfest.de ins Leben gerufen.

Auf Grund von unterschiedlichen Ansichten zur Weiterführung des Festes traten der Leibkammerherr
und der Hofmarschall von ihren Ämtern zurück!



Der Hofstaat:

- Seine Durchlaucht Rollo Kosmos Graf Schlaf
- Baron Hendrik von Dürrenberge, Staatskanzler
- Ritter Nikolaus Graf Merlot zu Eisenberg, Oberhofmarschall
- Freiherr Ralf von Ohrenburg, Hofmarschall
- Dietrich von Eytra, Mundschenk


Die gräflichen Ämter:

- Kapellmeister Friedrich - Wilhelm
- Tanzmeister Georg Prokein
- 1. Hofdame Gräfin Candita von Cactus Candiflorus
- 2. Hofdame Freifrau von Trillerschnüterich
- Zeremonienmeister Rainer Erices
- Rittmeister Flüßhöh
- Oberhofausstatterin Anke Wieck
- Hofausstatterin Annabell Gräfin Nachtigall
- Hofausstatterin Comtess de La´Bonte



Das Fest:

Am Vorabend gibt es in der Bierdiele mit vorfristig angereisten Gästen ein Trinkgelage bis weit in den Morgen. Dadurch ist der Arbeitsschwung am folgenden Tag noch größer. Seit dem Nachmittag dauert der Wettkampf im Armbrustschießen unter Leitung des Freiherrn Norbert von Schwanensee an. Eigens von ihm wird ein großer roter Brandenburgadler auf eine Schießwand von 2,5 x 2,5 Metern konstruiert. Die Installation einer Baumschaukel für Damen wird ebenfalls mit viel Anteilnahme begrüßt.








Bis 18.00 Uhr sind bereits mehr als 200 Gäste eingetroffen und erwarten die Erwachung des Grafen. Als dieser punkt 18.00 Uhr im Schlafgewand und von zwei halbnackten Hofdamen begleitet das golden verzierte Geländer des Balkons betritt, brechen die ersten Sonnenstrahlen nach zwei Tagen Dauerregen durch die Wolken. Der Graf intoniert gemeinsam mit dem Kapellmeister die Hymne des Festes „Schlafen ist so schön“. Nach dem „Er lebe Hoch“ und kurzen Begrüßungsworten übernimmt der Zeremonienmeister das Regime und läßt alle Anwesenden zu einem geschlossenen Kreis ordnen, um das obligatorische Portalfoto mit einer 360 ° Grad Panoramakamera ablichten zu lassen. Der Witz ist ein abgerolltes Foto mit sämtlichen Personen des Kreises.
Das im Hintergrund stehende Schloß erscheint in einer konkav verzerrten Form.








Wie seit drei Jahren sind im Kartenpreis Essen und Trinken bis zum bitteren Ende in Mengen enthalten. Dieser Umstand
läßt auf einige Turbulenzen schließen. Als Zeichen der Dankbarkeit läßt der Graf zu einer Geschenkübergabe bitten. Schaulustige drängen sich herum. Was gibt es hier nicht alles zu sehen und zu lachen.







Durch Vermittlung Pater Simeon wird der Friede mit Russland geschlossen, es singen zwei Mädchen ihr eigenes Lied dem Grafen vor und eine hochgestellte Dame überreicht Dresdner Christstollensamen. Ein anderer Gast übergibt eine Windmühle mit starren Flügeln, so daß die ganze Mühle mit den Flügeln um sich herum gedreht werden muß. Der Geschenktisch biegt sich vor Leckereien, Schnäpsen und anderen Trophäen. Zum Schutz vor plündernden Gästen müssen die Geschenke baldigst vom Tisch evakuiert werden. Einige Spirituosenflaschen sind bereits von Gästen geöffnet, die sie den Wachen nur ungern hergeben wollen.

Der Hunger ist riesig. Eiligst folgt der Graf dem Mundschenk in den Gartensaal, verkostet einen Bissen vom Spanferkel und gibt die Speisetafel frei. Es beginnt ein Gewühle durch die Gaumenfreuden, unterlegt mit zarten Klängen des im Gartensaales stehende Streichertrios. Bei so viel Seele gibt es kein satt werden.








Die von der Küchenmeisterin Gabi Smole aus Leipzig kreierte Barocktafel ist die Schönste seit Jahren. Ein spürbarer wie auch optischer Augenschmaus. Wahre Berge aus rosa Eiscreme stehen schmelzendsmaragdgrünen Salat-Ranken und gespickten Hühnerbrüsten gegenüber, süße Trauben und rubinfarbene Beeren kullern über Kalbsscheiben und Hasenkeulen.


Zu den „Tapfersten des Jahres“ und als Ritter des „Silber-Esel-Ordens“ werden mit Ehren ausgezeichnet und zu Rittern erhoben:

- Kapellmeister Albrecht Friedrich - Wilhelm
- Gräfin Candita von Cactus Candiflorus
- Hofausstatterin Gräfin Nachtigall vom Goldbachtal











Lauthals ruft der Zeremonienmeister zum Beginn der Tänze auf. Die Tanzbühne ist an allen vier Seiten und kreuzweise mit Lampions als Himmel verspannt. Neben den unverwüstlichen Tonmeister Dietmar Gitter verkabelt der Kapellmeister im Schloß die Gänge und Wandelhallen mit Musik. Als Auftakt zum Tanzball spielt der Graf mit dem Kapellmeister auf zwei Holzgitarren seine Eigenkomposition, den Sternentanz. Dazu bieten die Tänzerinnen des Engelballett in kurvenreicher Zierde eine von der Gräfin erdachte Choreografie dar.






Das Engelballett, von der Gräfin trainiert, gelangt zusammen mit dem Tanzmeister Georg Prokein zu neuen Höhen. Nach dem Schnick- Schnick- Schnick ist dichtes Gedränge. Keiner will etwas verpassen. So werden richtige Massentänze daraus, die wie Hypnose wirken. Den letzten Schliff erteilt den Gästen der Tanzmeister mit den Worten: „Die Damen verneigen sich so weit nach vorne, bis die Herren ihr Dekollete sehen können.“







Unterdessen sind die Räume des Schlosses, die Treppenhäuser und alle verbleibenden Stehflächen voll mit Menschen und Gewühle. Mehr als 420 Gäste werden gezählt. Fürst Stoga, in vorderster Reihe am Treppenhaus- Tresen stehend, ist durch die drängelnden Leute von oben bis unten auf seinem Büßergewand mit Reudnitzer Schwarzbier eingenäßt. Der Staatskanzler hat sich bereits zweimal als Kavalier bei den Damen gezeigt. In der Tanzpause ruft der Zeremonienmeister ein Geschenk des Kaisers von China für den Grafen auf.
Das berühmte „Jamashina-Ensemble“ aus dem fernen Osten. Mit herzlichem Beifall werden die fernöstlichen Komödianten empfangen. Es folgt eine schauspielerische Glanzleistung über die Intrigen am Hofe des Kaisers, über die Zwist eines Ministers und eines Gärtners um ein hübsches Mädchen und mehr. Mucksmäuschenstill schaut das Publikum zu und ist in den Bann gezogen. Fast hätte das Gute gesiegt, aber nicht ganz. Nach Beendigung des Auftrittes gibt es großen Szenenapplaus.




Die zweite Tanzrunde dreht sich bis Mitternacht und ein prächtiges Feuerwerk der Leipziger „ Feuerteufel “ erleuchtet das Schloßareal in farbenfroher Schönheit. Der Kapellmeister spielt die Diskothek.
Herrlich glitzern die Dekorationsstoffe an den Wänden im Kerzenschein, die von der Oberhofausstatterin und den Hofausstatterinnen mit Hilfe weiterer Gesellschaftsdamen in tagelanger Arbeit angebracht worden sind. Fackeln säumen den Weg vom Schloß bis zum Tanzboden. Der Mundschenk bietet gute Tabakware im neu eingeführten Raucherkabinett an und hat mit Sicherheit ein geheimes Depot mit Whisky angelegt. Schnaps wird beim Fest offiziell nicht ausgeschenkt, aber nicht jeder kann darauf verzichten. Sehr auffällig und mit großem Gefolge zeigt sich der zum Statthalter von Dresden ernannte Nikolaus Graf Merlot von Eisenberg.




Um 06.00 Uhr morgens schließen sich Türen und Tore zum Festareal. Viele von gelebter Freude und vom Kater gezeichnete Gesichter tragen sich am nächsten Morgen zum Frühstückstisch. Da ist der Graf bereits verschwunden zu einem neuerlichen Schlaf bis zum 5. Lichterfest. Hoffotografen sind Robert Teschner, Stefan Mai und Christoph Sandig und Hoffilmer ist die d-vision/Leipzig.



Der Film vom 4. Lichterfest - Spieldauer 14:22 Minuten





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