Nach Ausreißern in die Berliner Bunkerwelt, an die Saale nach Halle oder in das vorpolnische Grenzland der Neiße war der zehnte Jubiläumsball unumkehrbar näher gerückt und feierte seinen Einzug in einem archaischen Ballhaus in Preilack gelegen. Zum einen ist es der Zehnte und zum anderen heißt es 10 Jahre Graf Schlaf Ball !
Ähnlich einer Streitmacht wurden hier die fortschrittlichsten Elemente zu Luft, zu Wasser und zu Land in den leuchtenden Kristall eines Ballabends zusammengesetzt.
Am Beginn aller Überlegungen stand die Aufrichtung des Fahnenmasten mit der Festfahne in Schwarz- Weiß- Gold in mitten des Zeltlagers der Gäste. Die Leibgarde des Grafen ist in voller sechserstärke zum Ball angetreten und exerziert unter dem Befehl des Korporal Schulz eine beeindruckende Quadratfigur auf dem Parkett. Nach Meldung der Bereitschaft der stehenden Wache an den Zeremonienmeister Othello ruft dieser die Staatskanzlei zum Einzug in den Festsaal auf. Die Fanfaren werden durch die Gardisten gespielt, die wiederum als Eintänzer ihren weiteren Pflichten nachkommen. Die Ankunft der Lausitz offenbart sich in unüberhörbaren Hochrufen am Ausschanktresen und dem pflichtgemäßen Positionieren ihrer Adelsfahne auf der Ehrentribüne !
Die Begrüßungsrede des Grafen endet mit den pragmatischen wie feurigen Worten:
... ein Schloß ohne Saal oder ein Saal ohne Schloß ;
wir aber haben uns für das letztere entschieden, ... es lebe der Tanz ... !

Es folgen die Auszeichnungen der Sieger im Armbrustschießen und im Fischangelwettkampf.
Zu den Tapfersten des letzten Jahres werden erhoben:
1. Madame de la Rocca, Erste Tänzerin des Hofballetts
2. Loretta von der Dreisam, Zweite Tänzerin des Hofballetts
3. Der Ritter des Schlaraffia - Ordens aus der Hauptstadt Berlin
4. Der Vizekanzler und Oberhaupt der Delegation des Hofstaats August des Starken
Auf Grund des zeitweiligen Überganges in den Ruhestand des Fhr. von Elch wurde der Korporal zum Leutnant Schulze und damit zum Führer der Leibgarde des Grafen befördert !
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Als Gaumen- Bonbon der Extraklasse tritt das Ringballett vor den Gästen mit seinem ersten extasischen Schautanz auf. Es wird der Projektions- Vorhang geöffnet und das virtuelle Orchester feiert seine Weltpremiere. Dieses aus vier Streichern bestehende Quartett spielt immer nach der Musik, die gerade im Saal erklingt. Wenn Ruhe herrscht, werden die Bögen abgestellt, gibt es Beifall, so werden die Bögen gehoben, pfeifft man durch die Zähne, so bewegt sich nur der Bogen der Violine, brummt man wir ein Bär, bewegt sich nur der Kontrabass. Spielt die komplette Musik, sind Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass anteilig ihrer Höhen im Spiel. Dies und auch das übergroße Lotterierad mit Handschaltbedienung sind die Ergebnisse des Ministeriums für Erfindungen und seinem Minister Alex Fhr. v. Zahn.
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Duc de Borgougne ist der Erste, der die Erprobung des Zusammenspieles von Orchester und Hofballett annimmt und mit Souveränität und Eleganz die Gäste durch die Runden fegt.
Dabei war es unvermeidlich, daß die Polonaise auch durch die Schankräume wanderte und die Ruhe der Tresenhocker erheblich durcheinander brachte. Auch einige Verwirrte, die in die Tanzreihen fielen, richtete er mit geduldigen Zuspruch wieder auf, um den Tanze zunächst aus der Ferne verfolgend intensiver zu studieren. Nachdem das Ringballett in erregenden Kostümen die Köpfe der Herren um ein weiteres mal in hohem Grade verwirrte, folgte auf dem Fuße die mitternächtliche Verführung zum obligatorischem wie sensationellen Höhenfeuerwerk des bekanntesten Barockpyromanen Sachsens Fhr. S.v. B.
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Nachmitternachtszeit ist Lottozeit. Die Lotto- Annahmestelle hat viel zu tun. Der Leiter der Zeihung Geheimrat Dr. Kurt Rohr vollzieht nacheinander die Ziehungen der Farbenlotterie für die Damen und die der Summenlotterie für die Herren. Jede einzelne Ziehung wird von einem Gast bedient. Vom ersten bis zum dritten Preis war von der Jubiläums-Foto-CD mit 2.105 Fotos über Likeur, Wein und Kräuter bis hin zu büchsenweisen Spreewaldgurken alles zu haben, gemäß den Worten : "Wenn das Reich am Hungertuch nagt, die Spreewaldgurke ihren Aufstand wagt !"
Das Kupplerkabinett hat sich bestens gerüstet und betrieb sein Spiel unter einem eigenen Baldachin. Allein der Umstand, daß sich bei diesem intimeren Balle in kleinem Kreise der Großteil suchender Herren und Damen schon bei den ersten zwei ausgedehnten Tanzrunden näherkamen, ermöglichte den Kupplerinnin und Dienern des Kabinetts, dieses bereits nach Mitternacht zu verlassen und am Tanze selber teilzunehmen.
Als wäre der Graf mit dem König und dem Duc zugleich untergegangen oder im Walde verschollen, läßt Othello die empfindsamen Grazien seines Engelballetts zur dritten Tanzrunde rufen. Es präsentieren sich die Welten der französischen Revolutionstänze, die in ihrem frivolen und bisweilen respektlosen Drehungen den Verstaubten verstören, aber das lustvolle Publikum zum Erwachen bringen. Wieder ist das Parkett mit Tänzern aller Farben gefüllt und jeder glaubt bis zum Ende der Tanzfiguren durchzustehen. Nach anderthalb Stunden blieben drei Pärchen übrig, die die hohe Schule des Tanzes am besten beherrschten.
Besonders farbenfroh und einem Raumschiff ähnlich leuchteten des nachts die herrlichen Illuminierungen des Lichtkünstlers Samoht Letrab, der auch nicht davor zurückscheute, ganze sechs lebendige Schafe mit jeweils mehr als einen dreiviertel Zenter Gewicht in die Baumkronen des Ballhausgartens zu hängen und diese dann noch anzustrahlen.
Die letzten Klänge elektronischer Art aus Büchse und Trichter lockten zum viertenen Mal die Tanzfreunde der unkoordinierten Bewegungen in den Ballsaal, der bis zum Morgen schallte.
Nach Schließung der Tore wurde auf dem Festareal bis weit nach dem Sonnenaufgang disputiert und Gläser gelehrt.
Allein dem Verdacht, durch die Moderne und den Technischen Fortschritt zum Beispiel die leibhaftigen Musiker, ein anfaßbares Glücksrad und ähnliches einfach nur so wegrationalisiert zu haben, muß eindeutig widersprochen werden. Schlechte Zeiten bringen neue großartige Erfindungen, die es uns daher im Gegenzug ermöglichten, die Zahl der Tänzer von ursprünglich sechs auf ganze vierzehn zu erhöhen. Das entspricht einer produktiven Steigerung der Sparte Tanz um 133 ( % ) Prozent; ein jährliches Traumergebinis, daß selbst dem chinesischen Kaiser bedenklich vorkommen müßte !
Der Graf dankt allen seinen Mitstreitern und erwartet seine Gäste in der Wildromantik des Ostens und auf den weltweiten Ausflügen himmelwärts strebender Visitationen !
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