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Nachruf zum 5. Lichterfest am 12. Juni 1999 auf Schloß Hubertusburg

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Die Bildergalerie vom 5. Lichterfest
Der Film vom 5. Lichterfest



Nachdem zum 4.Lichterfest über 300 Gäste erschienen, wurde der Umzug in ein noch größeres Schloß vorbereitet. Trotz umfangreicher Bauarbeiten konnte das Schloß Hubertusburg zu Wermsdorf als nächster Austragungsort für das
5. Lichterfest eingerichtet werden. Zur Verfügung standen ein Ovalsaal mit Wandelhalle, ein riesiger Treppenturm mit Turmgemach, eine Empfangshalle sowie eine Wachstube im Erdgeschoß. Desweiteren befand sich im Schloß die einzige katholische Hofkirche außerhalb Dresdens. Der ehemalige große Festsaal im Südflügel des Schlosses galt seinerseits als der größte Spiegelsaal Europas. Zurzeit ist er durch spätere Umbauten in mehrere Räume zergliedert und könnte theoretisch wie praktisch als Gesamtsaal wiederhergestellt werden. Im komplett umschlossenen Innenhof des riesigen Hauptschlosses wurde ein Tanzboden mit den Maßen von 15 Metern mal 25 Metern installiert.

Als Tanzmeister wurde Georg Prokein bestellt. Als künstlerische Steigerung konnte das Orchester der Teufelchen im Gewand lauter kleiner Teufelchen unter der Leitung der Kapellmeisterin Franziska Fischer aus Berlin präsentiert werden. Das Orchester spielte sämtliche Tänze, die das Engelballett mit den Gästen einstudierte, original ein. Es wurde erneut das (nachdem es zum 4.Lichterfest noch ein Schattendasein führte) Kupplerkabinett ins Leben gerufen und die Leibgarde Rollo Kosmos gegründet. Die Leibgarde wurde angeführt von Eugen von Mecklenburg und hatte eine Stärke von 6 Mann. Ihre Aufgabe war der ausschließliche Schutz des Grafen. Auf dem Parkgelände südlich des Schlosses entstand eine riesige Zeltstadt, in der zur Orientierung zusätzlich mit Wimpeln markierte Wege angelegt werden mußten.


Für das 5.Lichterfest wurden weitere nachfolgende Ämter in den Hofstaat berufen.

Der Hofstaat:

- Seine Durchlaucht Graf Schlaf Rollo Kosmos der Strahlende,
- Beata Candita Gräfin von Cactus Grandiflorus die Glückliche
- Baron Hendrik von Dürrenberge, Staatskanzler
- Freiherr Ralf von Ohrenburg, Hofmarschall
- Ritter Nicolaus Graf Merlot zu Eisenberg, Oberhofmarschall
- Dietrich von Eytra, Mundschenk
- Hugo von Wurzelbach, Leibkammerherr
- Albrecht Friedrich-Wilhelm, Hofkapellmeister
- Georg Prokein, Tamzmeister
- Rainer Erices, Zeremonienmeister
- Junker Harald vom Phrosch, Schatzmeister
- Rittmeister Flüßhöh, Stallmeister
- Großfürstin Amalia zu Lyra und Wieck, Oberhofauststatterin
- Annabell Gräfin Nachtigall vom Goldbachtal, Illuminstin
- Freiherr Norbert von Schwanensee, Jagdmarschall
- Kaufmann Jacob Henschel, Postminister
- Eugen von Mecklenburg, Anführer der Leibgarde







Die gemeine Bevölkerung reagierte sehr beunruhigt auf die Ankunft des Grafen – wie der nachfolgende
Zeitungsartikel zeigte. Diese Wesenschwankungen waren durchaus verständlich, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt war, welcher Teil der Bevölkerung und welcher Teil der Landstriche vor Ort den Besitzungen des Grafen zufallen sollten. Da die Kassen des Grafen leer waren, konnte durchaus eine Erhöhung der Steuern für die Untertanen in Betracht gezogen werden.


Auszüge aus dem Artikel „Statt züchtiger Arien leidenschaftliche Tänze im Ovalsaal“ des heimatlichen Provinzblatts vom 11.Juni 1999:

1.Auszug:
„Morgen werden in Schloß Hubertusburg die Roben rauschen. Eingebettet in Kleider und Kulisse , die an Barock und Rokoko erinnern, soll dort ein Lichterfest stattfinden. Neben einem Ball im Ovalsaal werden „Cabinette der Lüste und Laster“ versprochen. Zwei Wochen zuvor wurde dem „Freundeskreis Schloß Hubertusburg“ der selbe Saal für ein Konzert italienischer Arien verwehrt. Bei Wermsdorfern sorgt das für Kopfschütteln.“

2.Auszug:
„Ordinariatsrat des Bistum Dresden- Meißen: Das Konzept der morgigen Veranstaltung sei ihm nicht bekannt.
„Wir hoffen, dass der Freistaat mit Fingerspitzengefühl arbeitet und den Saal Veranstaltern überlässt, die bedenken, dass nebenan eine Kirche ist“, sagte der Ordinariatsrat. „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass dort ein Fest stattfindet“, so Pötzsch, „und gehen bei möglichen weiteren Veranstaltungen davon aus, dass sich diese inhaltlich mit der Nähe des Gotteshauses vereinbaren lassen.“


Hier konnte man sehen, welch ein mondäner Ruf dem Grafen voraus eilte und wie ängstlich jene Untertanen reagierten, denen die standesgemäße Erfassung gewisser Inhalte von Natur aus nicht gegeben war!



Das Fest:

Schon am Nachmittag erscheint ein Teil der Hofgesellschaft zum Gottesdienst von Herrn Pfarrer Eichler in der Katholischen Hofkirche des Schlosses Hubertusburg zu Wermsdorf. Immer mehr Untertanen Seiner Durchlaucht kommen am Schloß und im Schlosshof an. Im Park hinter dem Schloß stellen wächst die Zeltstadt der Gäste immer
mehr an.





Mit großem Pomp zieht der Hofstaat ein. Die Leibgarde Rollo Kosmos marschiert voran. Der Hofstaat erwartet den Grafen, der Punkt 18.00 Uhr erwachen wird. Es tönen laut die Glocken vom Turm des Schlosses. Alles schaut nach oben. Da erscheint der Graf im Nachtgewand auf der Aussichtsplattform der Turmspitze des Schlosses und eröffnet das Fest mit der ersten Strophe der Hymne „Schlafen ist so schön“, um bald darauf wieder mit der Fanfare im Innenhof vor seinem Hofstaat zu stehen. Wie muß er da in der halben Minute die Wendeltreppen vom Glockenturm bis nach unten gerast sein! Der Graf hält das Begrüßungswort und leitet über zum Beginn der Festivitäten. In einer eine halbe Stunde dauernden Gesamtrede stellen die einzelnen Mitglieder des Hofstaats die Neuerungen zum 5. Lichterfest vor. Jeder Repräsentant des Hofstaates muß seine Tonnagen aufzählen. Das Pferd des Rittmeisters wiehert, als vom Mundschenk die Tonnagen an Fleisch und Bier aufgezählt werden. Es erschallt lautes Lachen ringsum.




Ein falscher Graf schleicht sich in das Schloß und löst Irritationen aus. Er wird sofort in den Schloßgemächern von der Leibgarde verhaftet, dem Grafen vorgeführt und nach Einräumung seiner Untat und erfolgter Reue zu einer verschärften Haft in das Verließ verurteilt.




Die Lichteruhr ist angestoßen und auf der Schloßwiese erfreuen sich die Gäste am Boccia- und Federballspiel sowie an der Baumschaukel. Eine ganz in Schwarz gekleidete Pantomimegruppe zieht ihre Runden. Um die Standhaftigkeit seiner Leibgarde zu testen, läßt der Graf die Garde in einem öffentlichen Wettkampf im Tauziehen gegen die Rekruten der Kronstädter Kadettenschule antreten. Leider müssen alle Schaulustigen mit ansehen, wie die Leibgarde des Grafen nach zähem Ringen gegen die Kadetten verliert. Für den Grafen gibt es danach nur eine Folgerung: Die Ausweitung der Gelände- und Leibesübungen für die Garde anzuordnen, um so den künftigen Sieg zu erringen!




Nächster Höhepunkt ist der Antritt des Grafen und der Gräfin am Armbruststand. Es wimmelt von Schaulustigen.
Der Graf schießt eine beeindruckende Serie und auch die Gräfin zeigt mit der modernen Technik der Armbrust einen erstaunlich sicheren Umgang.




Nun wird mit großem Aufwand die Geschenkübergabe im Freien vorbereitet, denn die Schatzkammer des Grafen ist vollkommen ausgekehrt. Der Graf sitzt umringt von zwei Hofdamen unter einem Baldachin. Die einzelnen Übergaben der Geschenke dauern wegen der so vielen Schenkenden so lange, daß sie wegen der warmen Speiseaufbereitung beschleunigt werden müssen. Aus allen Teilen des Landes, des Reiches und der Welt treffen Abordnungen ein. So wird dem Grafen von seinen Hofdamen ein Ständchen dargeboten. Der Kalif von Bagdad läßt dem Grafen eine Hafenlizenz für den Persischen Golf überreichen, damit er dort ungestört seine Südsee-Kriegsflotte aufbauen kann. Eine Abordnung aus der Priegnitz überreicht dem Grafen goldene Kartoffeln.

Durch die lange Zeremonie der Geschenkübergabe hat der Hunger große Teile der Gästescharen ergriffen und manch einer ahnt, daß ein „Sturm auf die Speisetafel“ bevorstehen wird. Einzelaudienzen sind jetzt nicht mehr möglich.
Die Leibgarde und der Zeremonienmeister sorgen dafür, daß jetzt nur noch ganze Gruppen von vier und mehr Gästen vor dem Grafen niederknien können und die Geschenke sofort auf den Übergabetisch ablegen müssen






Die anschließenden Portalfotos werden vor der Südfront des Schlosses aufgenommen. Das kleine Portalfoto mit dem Hofstaat wird mit einer Fotoplatte abgelichtet. Das große Portalfoto mir allen Gästen wird mit Hand aus Digitalfotos zu einem Panoramafoto zusammengesetzt.




Das Drama der Eröffnung der Speisetafel in der großen Eingangshalle nimmt seinen Lauf. Über 500 Gäste stehen vor der Absperrleine und wollen nicht mehr warten. Die Stimmung ist gereizt. Allein die Tatsache, daß der Graf und die Gräfin noch zur Verkostung durch den Oberhofmarschall beiwohnen hält die Menge vom spontanen Durchbruch über die Sperrleine ab.




Der Graf gibt mit einem Befehl die Speisetafel für die Gäste frei. Als der Staatskanzler das Band durchschneidet, setzt der Graf auch schon zum einem Sprung hinter die Tafeltische an um sich zu retten. Ein riesiger Ansturm bricht los. Fürst Stoga mit seiner Körpergröße von 2 Metern stellt sich der Menge mit ausgebreiteten Armen entgegen und spaltet die erste Sturmwelle zu zwei kleineren Sturmläufen ab.




Nach der gespaltenen ersten Sturmwelle schwappt die zweite Sturmwelle heran. Die zweite Welle schafft es, sich um Fürst Stoga herumzuspülen, hat jedoch nicht mehr die hohe Laufgeschwindigkeit und kommt hinter der ersten Welle zum stehen. Diese Hungrigen der zweiten Sturmwelle drängen und quetschen die Gäste aus der ersten Sturmwelle fester und fester gegen die Tafeln. Von ganz außen drängt die Masse der restlichen Gäste als Sturmflut auf alle anderen ein. Ohne Fürst Stoga würden mit Sicherheit sämtliche Tische mit Tellern und Speisen zu Boden stürzen.
Es beginnt ein Hauen und Stechen um die fettesten Brocken - die Schlacht an der Tafel. Wie ausgehungerte Wölfe im Prachtgewand des Königshermelin wimmelt es um die Speisetafel herum. Geschreie und Gezerre an den Kleidern der anderen beginnt. Es macht sich Panik und Angst um der Letzte zu sein und vor leeren Tafeln zu stehen. Nach einer halben Stunde des Plünderns fangen erste Gäste an zu murren - sie suchen den Grafen und wollen diesen verantwortlich machen dafür, daß sie mit ihrem Billett freie Speisen gekauft aber Nichts mehr gesehen haben. Die Gefahr wird so groß, daß sich der Graf für eine Stunde im Stabsraum unterm Dachstuhl des Schlosses einschließen muß. Spontan reisen einige Gäste vor Ärger und Unmut darüber ab.

Nach dem vorüber gehenden Schlachtende an der Speisetafel liegen Berge von Schweineknochen herum. Sie stören die Atmosphäre keineswegs. Womit aber niemand gerechnet hat: Es kommen weit mehr Gäste als es geplant und aus den Vorbestellungen absehbar gewesen wäre. Das führt dazu, daß die zu spät Gekommenen keine richtigen Portionen mehr fassen können. Beunruhigend zeichnet sich ab, daß die Küchen des Lichterfestes schon gegen 21.30 Uhr nahezu ausgelaugt sind.

Die Schuldfrage an dem Aufgebot einer zu kleinen Speisetafel ist nicht geklärt. Selbst nach Mitternacht noch fahren Angestellte des Mundschenks zu umliegenden Tankstellen und karren ersatzweise Preußische Bockwürste, Sächsische Brötchen und Lausitzer Gewürzgurken heran. Allein der Umstand eines guten Schluckes Sekt und eines kühlen Glases Bier bei den heißen Sommertemperaturen läßt die Feiernden nach einer Stunde wieder zu glücklichen Menschen werden.




Am Armbruststand kommt am Abend zu einem Degenstreit zwischen zwei Gästen. Zur Schlichtung des Streites wird der Graf gerufen. Er kann jedoch den Streit nicht wirklich beilegen und willigt in einen ehrlichen Kampf auf Leben und Tod ein. Der Stärkere soll gewinnen. Daraufhin streckt der schmächtigere der beiden Streithähne in einem kurzen Kampf den Gegner tot zu Boden. Es geht ein bewunderndes Raunen durch die Menge. Umgehend läßt der Graf die niedergestreckte Leiche aus den Schloßhof schleifen, damit sie nicht die Blicke der schönen Damen entstellt.




Der Hofstaat begibt sich mit feierlicher Musik von Carpentier auf den Tanzboden und alles ist vergessen. Das erstmalige Zusammenspiel des „Orchester der Teufelchen“ mit einer Tanzgruppe ist so grandios. Es gibt lang anhaltenden Beifall.




Der Graf bricht spontan seine Tanzposition ab und stellt sich mit einer Blume in der Hand für zwei Menuetteinführungen neben der überragenden Tanzmeisterin Franziska Fischer auf die Bühne. Auch das Engelballett hat sich unter der Federführung der Gräfin neueste Tanzkreationen ausgedacht, die von den Mittanzenden begeistert gefeiert werden.
In der Wandelhalle gibt es eine Bar für hochprozentige Getränke, die schnell geleert ist. Im Innenhof befindet sich ein zum Raucherkabinett umfunktionierter Pavillon. Die Lichteruhr wird stoisch aller zehn Minuten von freiwilligen Gästen gedreht.

Mit Beendigung der ersten Tanzrunde wird der Traum einer wunderlichen Ausfahrt des Grafen mit seinem Roller auf seine ausgedehnte Besitzungen in einem Tanzstück mit dem Engelballett nachgestellt. Es trägt den Titel „Die Zähmung eines Esels oder der Sieg der vernünftigen Affen“.





Die Zähmung eines Esels oder der Sieg der vernünftigen Affen

„Als sich der Graf schon weit von seinem Schloß mit einem Roller entfernt hatte, traf er auf drei Feen. Im Drange die Feen zu erobern ließ sich der Graf von ihnen umweben, betören, umgarnen und verführen und fiel schließlich ohnmächtig mit seinem Roller um. Nach einem längerem Schläfchen wachte der Graf wieder auf und die Feen waren weit und breit nicht mehr zu sehen. Der Roller war weg und nun stand der Graf in unbekannten Ländereien hilflos herum. Die Erinnerungen verblaßten. Da kamen drei Affen dahergelaufen, überzeugten den Grafen und führten ihn in sein Bett auf das Schloß zurück.“

Mit der Deutung des Wahrheitsgehaltes dieses Erlebnisses oder eines Traumes ist eine Kommission eingesetzt.




Am Ende des Treppenturmes ist das Kupplerkabinett mit einigen Sofas und Sesseln eingerichtet. Durch Vorhänge ist es vom Treppenhaus getrennt. Vier Kupplerinnen arbeiten hier. Die Kandidaten und Besucher des Kabinetts werden auf ihre Eignung zu einer Verlobung im Namen des Grafen geprüft. Nach erfolgreich bestandener Prüfung wird die Verlobung mit der Unterschrift des Grafen vor den Kupplerinnen vollzogen. Hier steht über mehrere Stunden eine ständige Schlange, deren Andrang ungebrochen ist.




Schon ist es Mitternacht und das fünfzehnminütige Riesenfeuerwerk wird auf dem Schloßplatz zur Feuerwerksmusik von Händel gezündet. Welch ein Schauspiel. Beschreiben läßt es sich nur schwer - die Bilder sprechen von selbst. Es ist nur soviel dazu zusagen, daß das Publikum am Ende lauthals ein dreifaches Hoch auf die Feuerwerker, die Leipziger „Feuerteufel“, erschallen läßt.

Die zweite Tanzrunde beginnt. Wieder steht das Orchester in den Startlöchern, von Bier- und Weingläsern umstellt.
Das hebt die Stimmung.






Zu den „Tapfersten des Jahres“ und als Ritter des „Silber-Esel-Ordens“ werden mit Ehren ausgezeichnet und zu Rittern erhoben:

1 Oberhofausstatterin Großfürstin Amalia zu Lyra und Wieck
2. Hofausstatterin Comtesse Virgine de Labonte
3. Prinzessin Fhatima I. von Jemen die Feurige, weitgereistester Gast




Nun beginnt die dritte Tanzrunde im Ovalsaal . Das Orchester ist trotz der Überanstrengung vor Müdigkeit und Biergenuß immer noch in der Lage, zu zwei weiteren Tänzen aufzuspielen. Das Publikum ist begeistert und es brechen spontane Hochrufe für den Konzertmeister aus.

Einige der Lustwandelnden aber wollen wegen der warmen Sommernacht wieder auf die Tanzfläche zur Disko. Da es aber weder einen DJ gibt noch der Kapellmeister auffindbar ist, der die Selbstlauf- CD`s in seinen Vorbereitungsraum in der Königsloge der Hofkirche gelagert hat, kommt es zu großem Tumult unter den Gästen. Schließlich fährt ein Gast aus Dresden seinen alten Mercedes mit Böllermann- Anlage auf den Innenhof des Schlosses bis zur Tanzfläche und will Stimmung machen. Es kommt zum Streit zwischen discowütigen und klassisch-romantischen Gästen mit dem Rittmeister an der Spitze. Der Rittmeister gewinnt die Oberhand. Das Auto muß wieder herausfahren.

Außer klassischer Musik und ein paar nachgelegten historischen Tanzvorführungen können den wilderen Teil unter den Gästen nur noch die Getränke retten. Die aber werden langsam alle; die bisher geholte Ware ist wieder zu wenig. Der Aufruhr bei denen, die es gewöhnt sind bis zum Morgen 06.00 Uhr weiterzufeiern, ist verständlich und kennt nur den Ruf nach den Schuldigen. Die gibt es aber im eigentlichen Sinne nicht, da die Kette der nachfolgenden Mißverständnisse geschlossen ist und diese kein Ende hat. Also fordern einige den Grafen zur Rechenschaft. Fast kommt es zum Handgemenge im Empfangssaal, als der Graf entdeckt wird. Schnell flüchtet sich dieser erneut in die Stabsräume der Staatskanzlei, um weitere Anweisungen zu erteilen. Es droht die völlige Eskalation. In diesem Augenblick behält Fürst Stoga die Nerven und holt weitere erhebliche Mengen an Wein, Bier und Essbaren aus benachbarten Tankstellen heran. Nach seiner Rückkehr umringen ihn die Schmachtenden und die Situation ist wieder unter Kontrolle. Stück für Stück beruhigt sich die Lage, nicht aber in den Stabsräumen der Staatskanzlei.

Da kommt ein Pärchen hinein und jammert, daß ihm das Zelt gestohlen wurde. Gleichzeitig jammert die Gräfin rum, nicht genug zu essen bekommen zu haben. Wieder Aufregung und bis morgens 03.30 Uhr muß der Graf telefonieren, ehe der gesamte Tatbestand bei der Polizei angezeigt wird. Dann erst ist Feierabend für Seine Herrlichkeit. Um 06.00 Uhr morgens schließen sich Türen und Tore zum Festareal.



Am Morgen:

Wie so oft verschwinden bei jedem Fest zahlreiche Ausstattungsgegenstände aus dem Besitz des Hofstaates, deren Diebe leider nur zu oft aus den Reihen der Gäste kommen. Am häufigsten werden Kerzenständer und Besteckware entwendet.




Wie gewohnt schläft der Mundschenk als sicherste Überwachungsmethode auf seiner Luftmatratze inmitten von Speiseresten der Küche. Da gellt ein Schrei durch das Schloß, Türen klatschen und flüchtende Schritte hallen weithin.. Zwei hungrigen Mädchen schauen morgens kurz in der Küche vorbei, ob eventuell ein kleines Stück Käse oder Wurst zu erhaschen wäre. Um den Mundschenk nicht zu wecken, schleichen sie sich leise an. Dann kommen sie an einem Tisch zu stehen, auf dem die Reste eines Käserades liegen. Zufällig stehen sie genau vor dem Angesicht des Mundschenks. Das spürt der Mundschenk instinktiv, öffnete seine Augen und sieht mit Erstaunen zwei Wadenbeine vor seiner Nase. Rasch ergreift er eine Fessel der Dame mit der Hand, will sie festhalten und schreit laut: „ Halt, wer ist in meiner Küche? “Daraufhin kreischt die Dame, reißt sich los und rennt voller Panik mit ihrer Begleiterin weg, während der Mundschenk nach der erfolgreichen Attacke abermals einschläft. Der Staatskanzler sammelt leere Gläser ein und ein Küchenhelfer schaut ratlos in die Runde, wo er noch etwas eßbares auftreiben kann.

In den Räumen des Kupplerkabinetts sind alle Liege- und Sitzgelegenheiten mit schlafenden Liebespaaren überzogen. Das macht das Kabinett so typisch, unverwechselbar und sympathisch. Die meisten schlafen ihren Rausch aus.

Am Nächsten Tag morgens um 10.00 Uhr hält Pfarrer Eichler einen Gottesdienst in der katholischen Hofkirche. Viele Gäste sind mit Ihren Kostümen anwesend und lauschen der Andacht. Der Graf hat es diesmal nicht geschafft. Er schläft bereits gründlich aus.

Als letztes soll erwähnt werden, daß das Pärchen welches dem Grafen weit nach Mitternacht ihr Zelt als gestohlen gemeldet hat, dieses am Morgen mittlerweile wieder entdeckt hatte. Es war nicht gestohlen worden. Als sie es aufbauten, standen noch wenige Zelte. Als sie es aber nach Mitternacht aufsuchen wollten, standen soviel neue Zelte rundherum, daß sie ihre Umgebung nicht mehr wiedererkannten und somit glaubten, es sei gestohlen.
Ein ungewöhnlicher Alarm!

Hoffotografen sind Stefan Mai, Hendrik Maak, Christoph Sandig und Hoffilmer ist die d-vision/ Leipzig.









Der Film vom 5. Lichterfest - Spieldauer 06:20 Minuten





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