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Nachruf zum 10. Graf Schlaf Ball am 18. Juni 2005 im Ballhaus Preilack

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Die Bildergalerie vom 10. Graf Schlaf Ball
Der Film vom 10. Graf Schlaf Ball



Nach Visitationen in die Berliner Bunkerwelt, nach Halle an der Saale und in das ostbrandenburgische Ratzdorf an
der Oder-Neiße gelegen war der zehnte Jubiläumsball unumkehrbar näher gerückt und feierte seinen Einzug in das archaische Ballhaus Preilack. Das Haus lag in einer ländlichen Idylle südlich des großen Truppenübungsplatzes Lieberose und nördlich des Spreewalds. Dies war nicht zuletzt das Ergebnis der Unumkehrbarkeit von Dresden. Trotz vieler anderer Meinungen konnte die damalige Sächsische Staatsregierung nicht davon abgebracht werden, das Palais im Großen Garten von Dresden zu einer musealen sowie konzertanten Nutzung zu umzugestalten. Somit wurden weitere Tanzbälle in dem zum Feiern erbauten herrlichen Palais nicht mehr möglich. Der Graf mußte weiterziehen.

Zum einen nahte der Zehnte Ball und zum anderen hieß es 10 Jahre Kostüm-Tanz-Ball des Grafen! Ähnlich einer Streitmacht wurden hier die fortschrittlichsten Elemente zu Luft, zu Wasser und zu Lande in den leuchtenden Kristall eines Ballabends zusammengesetzt. Der 10. Graf Schlaf Ball fand unter den Zeichen der Sparsamkeit, der Einkehr, der Schlichtheit und der Bescheidenheit wieder zu neuen Tugenden zurück. Heimgekehrt aus einem Großen Palais in einer großen Stadt wurde das Festgeschehen in ein kleines, aus Klinkersteinen errichtetes, am Rande eines Truppenübungsplatzes gelegenes Landgasthaus mit angrenzendem Speise- und Tanzsaal verlegt.

Auf Grund des Überganges in den Ruhestand des bisherigen Anführers der Leibgarde Leutnant Hirsch von Elch wurde der Korporal M. A. Schulze zum neuen Anführer der Leibgarde des Grafen ernannt!




Der Graf verkündete die Auflösung des Hofstaats und der Staatsämter und ihre Überführung in die Staatskanzlei, die Ämter und die Körperschaften an. Als große Neuheit wurde das „Virtuelle Orchester“, die „Virtuelle Spartenlotterie“ und das „Temperierte Ballett“ erfunden und konstruiert.






Der Ball:

Am Beginn aller Überlegungen steht die Aufrichtung des Fahnenmasten mit der Festfahne in Schwarz-Weiß-Gold in mitten des Zeltlagers der Gäste. Die Ankunft der Lausitz offenbart sich in unüberhörbaren Hochrufen auf dem Zeltplatz, am Ausschanktresen und dem pflichtgemäßen Positionieren ihrer Adelsfahne auf der Ehrentribüne!




Die Leibgarde des Grafen ist in voller Sechserstärke zum Ball angetreten und exerziert unter dem Befehl des Korporal Schulze eine beeindruckende Quadratfigur auf dem Parkett. Nach Meldung der Bereitschaft der stehenden Wache an den Zeremonienmeister Othello ruft dieser den Grafen mit seinen Amtsträgern zum Einzug in den Festsaal auf.




Die Begrüßungsrede des Grafen endet mit den pragmatischen wie feurigen Worten:

... ein Schloß ohne Saal oder ein Saal ohne Schloß …………………..
wir aber haben uns für das Letztere entschieden, ... es lebe der Ball ... !




Es folgen die Auszeichnungen der Sieger im Armbrustschießen und im Fischangelwettkampf.


Zu den „Tapfersten des Jahres“ und als Ritter des „Silber-Esel-Ordens“ werden mit Ehren ausgezeichnet und zu Rittern erhoben:

1. Madame de la Rocca, Erste Tänzerin des Hofballetts
2. Loretta von der Dreisam, Zweite Tänzerin des Hofballetts





Als Gaumen- Bonbon der Extraklasse tritt das Ringballett vor den Gästen mit seinem ersten Schautanz auf. Es wird der Projektions- Vorhang geöffnet und das virtuelle Orchester feiert seine Weltpremiere. Dieses aus vier Streichern bestehende Quartett spielt immer nach der Musik, die gerade im Saal erklingt. Wenn Ruhe herrscht, werden die Bögen abgestellt, gibt es Beifall, so werden die Bögen gehoben, pfeift man durch die Zähne, so bewegt sich nur der Bogen der Violine, brummt man wir ein Bär, bewegt sich nur der Kontrabass. Spielt die komplette Musik, sind Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass anteilig ihrer Höhen im Spiel. Dies und auch das übergroße Lotterierad mit Handschaltbedienung sind die Ergebnisse des Konstrukteurs Alex Zahn.




Duc de Bourgogne ist der Erste, der die Erprobung des Zusammenspieles von Orchester und Hofballett annimmt und mit Souveränität und Eleganz die Gäste durch die Runden fegt. Dabei war ist es unvermeidlich, daß die Polonaise auch durch die Schankräume wandert und die Ruhe der Tresenhocker erheblich durcheinander bringt. Auch einige Verwirrte, die in die Tanzreihen fallen, richtet der Duc mit geduldigem Zuspruch wieder auf. Nachdem das Ringballett in roten Kostümen die Köpfe der Herren um ein weiteres mal in hohem Grade verwirrt, folgt auf dem Fuße das mitternächtliche Saalfeuerwerk.




Nachmitternachtszeit ist Lottozeit. Die Lotto- Annahmestelle hat viel zu tun. Der Leiter der Ziehung Geheimrat Herr Gladow aus Berlin vollzieht nacheinander die Ziehungen der Farbenlotterie für die Damen und die der Summenlotterie für die Herren. Jede einzelne Ziehung wird von einem Gast bedient. Vom ersten bis zum dritten Preis ist von der Jubiläums-Foto-CD mit 2.105 Fotos über Likeur, Wein und Kräuter bis hin zu büchsenweisen Spreewaldgurken alles zu haben gemäß den Worten : "Wenn das Reich am Hungertuch nagt, die Spreewaldgurke ihren Aufstand wagt !"




Das Kupplerkabinett hat sich bestens gerüstet und betreibt sein Spiel unter einem eigenen Baldachin. Allein der Umstand, daß sich bei diesem Balle in kleinerem Kreise der Großteil der Herren und Damen schon bei den ersten zwei ausgedehnten Tanzrunden näher kennenlernen, ermöglicht es den Kupplerinnen und Dienern des Kabinetts, dieses bereits nach Mitternacht zu verlassen und am Tanze selber teilzunehmen.






Othello läßt die empfindsamen Grazien seines Engelballetts zur dritten Tanzrunde rufen. Es präsentieren sich die Welten der französischen Revolutionstänze, die in ihrem frivolen und bisweilen respektlosen Drehungen das lustvolle Publikum wieder zum Erwachen bringen. Wieder ist das Parkett mit Tänzern aller Farben gefüllt und jeder glaubt bis zum Ende die Tanzfiguren durchzustehen. Nach anderthalb Stunden bleiben drei Pärchen übrig, die die hohe Schule des Tanzes am besten beherrschen.

Besonders farbenfroh leuchten des nachts die herrlichen Illuminierungen des Lichtkünstlers Samoht Letrab, der auch nicht davor zurückscheut, ganze sechs lebendige Schafe mit jeweils mehr als einen dreiviertel Zenter Gewicht in die Baumkronen des Ballhausgartens zu hängen und diese anzustrahlen.

Die letzten Klänge elektronischer Art aus Büchse und Trichter locken zum vierten Mal die Tanzfreunde der unkoordinierten Bewegungen in den Festsaal, der bis zum Morgen schallt. Nach Schließung der Tore wird auf dem Festareal bis weit nach dem Sonnenaufgang disputiert und Gläser geleert. Allein dem Verdacht, durch die Moderne und den Technischen Fortschritt zum Beispiel die leibhaftigen Musiker, ein anfaßbares Glücksrad und ähnliches einfach nur so wegrationalisiert zu haben, muß eindeutig widersprochen werden. Schlechte Zeiten bringen neue großartige Erfindungen hervor.


Eindrücke zur Anreise:

„Wir dachten uns schon, daß es diesmal ein ganz besonderer Spaß wird und als wir mit dem Auto auf der Wiese vor dem angeblichen Ballhaus standen, kam uns das Lachen. Das wars, eine Dorfkneipe mit Saalanbau - nicht mehr aber auch nicht weniger. Der Graf zeigt eben immer wieder große Fantasie. Der Zeltplatz für die Gäste war der Bolzplatz vom Dorf. Einige frühe Gäste mit einem weißen Sprinter aus Cottbus hatten auf der Wiese schon mal ordentlich vorgeglüht und weitere Gäste zum Nachahmen angesteckt. Das brachte ordentlich Stimmung und gute Laune rein. Sehr beeindruckend war auch der übergroße über dem Dorf weithin sichtbare Fahnenmast mit der wehenden Fahne des Grafen. Da mußte man nicht erst das „Ballhaus“ suchen sondern einfach auf die Fahne drauf zu fahren.
Nochmehr lachen mußten wir, als sich drüben auf dem Parkplatz ein paar dicke und kugelige Personen aus der sächsischen Residenzstadt mit barocker Mode aus Gardinenstoff aus den Autos wälzten - mit blassen Gesichtern - verunsichert auf das vermeintliche Ballhaus starrten - kurz überlegten ob sie sich verfahren hatten und sich dann doch verunsichert in den Gasthof schleppten. Wie kann man nur so fett sein. Es sammelten sich die ersten Besucher gleich am Tresen und schauten gespannt, wann und ob die nächsten „Scharfen Mietzen“ auftauchen werden …...
Die dicke Gesellschaft saß den ganzen Abend in der Ecke und aß vor Schreck ein Eisbein nach dem anderen ………. ".

Fotograf und Filmer sind Korporal Schulze und Gerhard von der Lausitz



Der Film vom 10. Graf Schlaf Ball - Spieldauer 03:36 Minuten





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