Maskenball des Grafen am 01. März 2003 in den Ballsälen des Roten Roß zu Halle a.d.Saale
Im Zuge einer Anfrage und durch längere Neugierde getrieben beschloss der Hofstaat zu Anfang des Jahres eine einen Tag währende Visite in der berühmten Halorenstadt zu Halle an der Saale. Der letzte Besuch des Grafen liegt schon ganze 15 Jahre zurück und wie hat sich alles verändert: Der Hauptbahnhof erstrahlt mit seinen Fürstenzimmern in neuem Glanz, eine gewaltige Verringerung der Lärmbelästigung durch die weniger und dezent fahrenden Schienenbahnfahrzeuge, die immer wieder hohe Herausforderung fahrerischen Könnens bei der Umrundung des Thälmannplatzes unter Beachtung des Eigenbetriebs der Straßenbahn und nicht zuletzt die malerischen Gassen und Burgen am Fuße der hell und klar dahinströmenden Saale.
Fotos: Matthias Schiffer
Das Aufgebot des Hofstaates umfaßte 44 Personen, vornan das Kammerorchester, das Tanzballett, die Lichtillumination, das Kabinett der Leidenschaft, die Tonabteilung und der wichtigste Teil der Staatsämter und des Hochadel im Gefolge des Grafen :
- Hofdame Melinde Gräfin von Schnüterich, glänzende Komödiantin - Palastausstatterin Nachtigall Gräfin vom Goldbachtal - Hofdame Adalies Baronesse von Isenschnibbe, die Tänzerin des Grafen - Die Erste Kupplerin Ekaterina, Herrscherin des Inneren Rußlands - Der Erste Diener des Kabinetts Gerhard Markgraf der Lausitz - Der Zweite Diener des Kabinetts Norbert von Schwanensee
- Staatskanzler Baron Hendrik vom Dürrenberge - Seine Hoheit Kanzleirat Fürst Stoga - Zeremonienmeister Othello
- Kapellmeisterin Franziska Fischer - Kapellmeister Friedrich- Wilhelm
- Tanzmeisterin Mareicke Greb - Illuminist Samoth Lehtrab
- S.H. Graf Schlaf
Der Hofmarschall und die ministeriale Verwaltung der Ballsäle hatten alles auf das Beste vorbereitet in dem tarnenden Gewande eines Maskenballes, die Küche mit den Arbeiten für die Ausführung eines fünfgängigen Barockmenüs betraut, die Feuerwerker angewiesen und die Einlaßtore besetzt.
Punkt 19.00 Uhr strömten die Gäste herein, in langen Schlangen zum Eintrag in die Adelsrolle anstehend. Der Festsaal war mit blauen und roten Lichtern, Texturen an den Wänden und 22 großen Bodenkerzenständern verzaubert, eilige Diener in Küchentrachten schwirrten wie die Bienchen um die Tische zur Bedienung der Gäste.
Gegen 20.00 Uhr war es dann soweit, der Hofstaat wurde unter Fanfaren vorgestellt, dann erschien der Graf. Nach erschallenden Hochrufen sendete er in einer kurzen Begrüßungsrede dankbare Worte an die Hallenser Untertanen und leitete die Gedanken weiter in seinen Unmut darüber, es seinen eigenen Hofdamen niemals vollends recht machen zu können und auch aus diesem Grunde zur persönlichen Versöhnung mit ihnen diesen Visitationsball zur Zerstreuung angestoßen zu haben.
Wie sich im weiteren Ballverlauf zeigen sollte, hatten diese Maßnahmen großen Erfolg.
Die erste Beschwerde der Melinde mit ihrem "Mädchenlied" wurde mit viel Würde hingenommen und aufgenommen. Um die Gemüter nicht weiter zum Nachdenken zu bringen, wurde erste Schautänze und Solotänze des Balletts und kleine Musikstücken des Kammerorchesters vorgeführt. Der Staatskanzler kostet inzwischen das Essen ab. Im anschließenden Traumlied des Grafen Schlaf zeigt sich die Melinde als auch Gräfin Nachtigall endlich etwas versönlicher und beweisen eine erste Zuneigung für den Lebenswandel unserer Herrlichkeit. Auch kleine Anfänge sind große Anfänge !
Fotos: Matthias Schiffer
Nach dem Verspeisen des Hauptgerichtes beginnt nun endlich der Ernst des Abends. In großen Gefäßen werden die Damen als auch die Herren aufgefordert, Lose für ihre eigene Tanzpaaraufstellung zu ziehen. Weigerten sich Herren aus Verklemmtheit, so zog ihre beisitzende Dame gleich eines für den Herren noch mit hinaus. So waren in Windeseile alle 56 maximal zugelassenen Paare für den Eröffnungstanz verlost. Die Kupplerinnen riefen die Losnummern auf und platzierten die Paare. Großes Gejohle und Aufregung entstand in den Gästereihen. Gestandene Damen fanden sich Buchhaltern gegenüber, hochgestellte Herren aus dem Hallenser Bürgertum kecken Studentenmädchen gegenüber und los ging es mit den Originaltakten des Kammerorchesters im Rhythmus des Schnick- Schnick- Schnick !
Fotos: Matthias Schiffer
Der Hofstaat selbst ließ sich auch mit verlosen, der Graf stand in forderster Reihe mit einer der angesehensten Damen des öffentlichen Lebens der Halorenstadt. Beim nachfolgenden Präsentationstanz, angeführt von Ihrer Schönheit Adalies Baronesse von Isenschnibbe und Seiner Herrlichkeit des Grafen Schlaf kam wahrer Freudentumult beim Durchlaufen der Handspalierein den Reihen der Gästezutage. Überdies wurden die Untertanen reichlich verwirrt über die Schönheit und Grazie der Adalies, deren Gesellschaft Seine Herrlichkeit in vollen Zügen genoß.
Nach der ersten Tanzrunde folgte die Zweite mit viel Anteilnahme, die Tanzmeisterin trieb die Tanzpaare mit ihrer Begeisterung in alle möglichen Formationen und Sprungstellungen. Nur ein Springmaus hätte diesem Treiben entgehen können.
Fotos: Matthias Schiffer
Zwischendurch zeigte der Kapellmeister auf der Bühne außergewöhnliche Schmuckstücke seines Könnens: sich nämlich in einen Pudelhund neben den schon vorhandenen echten Pudel Melampo zu verwandeln und von Gräfin Nachtigall als zweites Leckerchen an der Leine führen zu lassen. Auf diese Weise, so Friedrich- Wilhelm könne man sich der Angebeteten viel intensiver und mit höherer Zuneigung, etwa durch das Beschlecken der Beine, nähern. Nach großem Gelächter hat bestimmt der eine oder andere Gast etwas dazugelernt!
Auf die Frage eine Außenstehenden, wer denn den Grafen spielt, conterte Gräfin Nachtigall im forschen Ton: "Hier spielt keiner den Grafen, das ist der Graf !" Somit war für den Neugierigen auch gleichzeitig die Frage nach der Herkunft und Echtheit der Palastausstatterin beantwortet.
Bei der routinemäßigen Versteigerung von Kleinodien aus der Schatzkammer des Grafen durch den Staatskanzler und Gräfin Nachtigall zeigten die Gäste in der Erratung der gestellten Fragen hohes Wissen. Die schwierigste Frage nach der Lage des berühmtesten Silbersees ( A: Amerika B: Bitterfeld C: Ceylon ) wurde mit dem spontanen Ruf eines Volltreffers - Der Silbersee in Bitterfeld - glänzend beantwortet.
Weit nach Mitternacht wurden die Tänze mit einem Feuerwerk, einer anschließenden Preisverleihung für die schönsten Masken und einer Tombola beendet.
Fotos: Matthias Schiffer
Was gab es noch hinter den Kulissen der Bühne ? Das seit vier Jahren ruhende und erstmalig wieder mit dem jetzigen Visitationsball in Dienst gestellte Kabinett der Leidenschaft mit den durchgehenden Öffnungszeiten von 20.00 Uhr bis 02.00 Uhr Morgens. Die oberste Leitung hatte die Erste Kupplerin, Ekaterina Herrscherin des Inneren Rußlands. Ihr zur Seite stand die Zweite Kupplerin, flankiert von den Dienern Gerhard der Schwindende, Markgraf der Lausitz und Norbert von Schwanensee, Freiherr und Doktor der Feldforschung. Das Aufgabengebiet reichte von Verlobungen und Verkupplungen bis hin zum Vermitteln einer gewünschten Tanzpaarung. Über 21 Kandidatenpaare schafften es zu einer Verlobung im Namen des Grafen, 15 erfolgreiche Verkupplungen wurden gesetzt, die Letzte noch um 01.40 Uhr. Untergebracht im eleganten und stilvollen Händelzimmer werden die Gäste von den vornehmen Dienern empfangen und können Auskünfte einholen als auch Aufträge erteilen. Hinter dem Empfang der Diener befindet sich, abgeschirmt und umringt von elfenbeinfarbenden Rosenlattenwänden, das Herzstück des Kabinetts:
- Die Kupplerlogen -
Auf eleganten Stühlen sitzen die Kandidaten den in prächtigen Salonsesseln thronenden Kupplerinnen gegenüber im Bemühen, ihr bestes zu geben. Dabei ist der Erfolg nicht immer garantiert aber die Hoffnung stets sehr groß. Deshalb sind zuweilen mehrere Anläufe durchaus üblich und beeindrucken dadurch um so mehr die angebetete andere Hälfte.
Der Hofstaat Graf Schlaf wünscht allen Gästen der Visite ein schönes Frühjahr, viel Halorenkugeln, rauschende Kahnfahrten in den Fluten der Saale und freut sich jetzt schon, den einen oder anderen Untertan aus Halle zum jährlichen Großereignis unseres Herrschers , dem Graf Schlaf Ball am 14. Juni 2003 im Palais des Großen Gartens zu Dresden zu begrüßen.
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